30.12.11

„Ladies in red“ überraschen bei der deutschen Meisterschaft

Mit unserem U14w Team ging es zwischen Weihnachten und Silvester wieder zur Deutschen Meisterschaft – dieses Mal nach Arendsee in der Altmark (nördliches Sachsen-Anhalt). Mit Autos oder Bus und Bahn („getrennt marschieren, vereint schlagen“) klappte die Anreise problemlos – das „Objekt“ empfing uns mit eher spröden Charme. Die Mädels legten mal gleich ihre Betten zusammen, so dass wir ein „Schlafzimmer“ und einen Analyseraum hatten. Mit Sophie (unserer Gastspielerin aus Mengede), Sarah, Jasmin, Bettina und Alina waren fünf Mädels am Start - Sophie sollte durchspielen, die anderen vier „rotieren“, was für eifrige Gegner die Vorbereitung etwas schwerer machen würde.
Abendbrot, Betreuerbesprechung, Auslosung… das übliche Prozedere.. und die u14w DVM konnte losgehen.
Runde 1
Mit dem USC Chemnitz haben wir es mit der an Platz 3 gesetzten Mannschaft zu tun, die uns an fast allen Brettern um mehrere 100 DWZ Punkte voraus ist. Die Mädchen sind etwas nervös, aber kämpfen sich in die Partie. Alina „vergisst“ in guter Stellung, eine Figur zu nehmen,; Bettina hat in guter Stellung Angst vorm Gewinnen – das werden dann „nur“ zwei Remis. Jasmins und Sophies Gegnerinnen spielen einfach gut und gewinnen nicht unverdient. 1:3 – das ist kein Beinbruch.
Runde 2
SV Gryps aus Greifswald ist ein dankbarer Gegner, dessen Bretter 1 und 4 kurzfristig absagten. Nun müssen sie mit zwei hoffnungslos überforderten Mädels auf 3 und 4 (die im Turnier dann auch 0/7 machten…) spielen – das konnte nicht gut gehen. Schnell steht es 2:0; Sarah und Sophie mussten etwas länger spielen, bis das aufregungsarme 4:0 unterschrieben wird.
Essen beim Chinesen (wer will auch immer Jugendherbergskost…), aber Bettina verträgt es nicht so gut…Trotzdem will sie spielen.
Runde 3
Mit den Karlsruher SF bekommen wir eine etwas inhomogene Mannschaft als Gegner: vorn sehr stark, an 3 und 4 eher unerfahren. So war die Matchstrategie klar – Bettina und Jasmin müssen aber ganz schön arbeiten, um die Punkte auch zu holen… Sophie und Sarah schaffen leider kein remis, so dass der Kampf leistungsgerecht 2:2 ausgeht.
Runde 4
Gleiche Vorzeichen gegen den USC Magdeburg: vorn noch stärker als Karlsruhe, hinten aber eher schwächer. Sophie und Sarah versuchen alles, aber es will nicht gelingen… 0:2. Da auch Jasmin über ein Remis nicht hinaus kommt, ist der Kampf gelaufen. Alina kommt zum ersten Mal überhaupt in Zeitnot (auch eine Erfahrung…), zockt dann und verliert Haus und Hof – aber die Gegnerin ist zu fortgeschrittener Stunde genauso kaputt und übersieht das einzig noch mögliche Matt – 1.5:2.5!
Nach der Hälfte der Distanz liegen wir mit 3:5 Mannschaftspunkten auf Platz 12 – das liegt im Erwartungsbereich. Wir spielen leider mit sehr hohem Kraftaufwand: mindestens ein, manchmal noch mehrere Spiele laufen noch, wenn der Spielsaal fast leer ist. ´ne schneidige Matt-Attacke ist unser Mädels Ding nicht….

Runde 5
Gegen die SG Porz haben wir noch eine Rechnung offen, hatten sie uns doch zur NRW-Meisterschaft geschlagen und etwas überraschend den Titel geholt. Dieses Mal gibt es schon bald keinen Zweifel mehr, wer Chef im Ring ist. Alina macht das 1:0, die anderen Mädchen stehen gut oder gar klar besser. Also bieten wir nacheinander remis, was die Porzerinnen kaum ablehnen können. Mit mehr Biss war eine höherer Sieg als das 2.5:1.5 drin, aber Kräfte sparen, mal nicht als letzte Mannschaft noch im Spielsaal sein, ist auch ganz schön…
Runde 6
TURA Harksheide ist nicht gerade das, was man ein Traumlos nennt: amtierender Deutscher Meister, leicht geschwächt, aber immer noch in der Setzliste auf Platz 6. Jasmin und Alina (die ihre Vorbereitung vergessen hatte) spielen Remis – da wollten wir eigentlich mehr. Aber Sarah schlägt zu, rechnet besser als ihre 500 DWZ Punkte bessere Gegnerin und gewinnt! Vorn versucht Sophie alles, um sich gegen 1800 DWZ zu halten – leider vergeblich – 2:2. Aber vielleicht ist das ganz gut, denn so kommen wir in der letzten Runde nicht gegen einen der Turnierfavoriten (wie es uns letztes Jahr passierte und wir 0:4 untergingen….).
Runde 7
Mit Turm Bad Hersfeld treffen wir auf eine homogene Mannschaft – das könnte ein Kampf auf Augenhöhe werden. Wir wollen gewinnen, aber die abendliche Vorbereitung wird durch einen Protestfall in der u12 verkürzt, da Torsten ins Schiedsgericht gerufen wird. Egal – die Mädchen sitzen bis 22:30 an Brett und Computer, bekommen morgens noch letzte Tipps vom Betreuer… um dann festzustellen, dass die Gegnerinnen diesen Aufwand wohl nicht betrieben haben. Bettina macht locker das 1:0, Jasmin ebenso sicher ein Remis. Bad Hersfeld muss nun kämpfen. Sarah steht erst kritisch, wehrt sich erfindungsreich und kommt in ein gleiches Turmendspiel – und das kann sie VIEL besser als ihre Gegnerin! Mit Sarahs Sieg ist der Kampf entschieden. Mittlerweile wird klar, dass bei den anderen Paarungen alles für uns gelaufen ist – Sophie, die gern mit einem Sieg das Turnier beenden will, spielt unverdrossen weiter, sammelt zwei Bauern ein und gewinnt zum 3.5:0.5 Endstand. Wir sind Vierter !!!!!

Epilog

Die diesjährige u14w DVM war für uns ein toller Erfolg! Wir hatten natürlich das Glück der Tüchtigen, im richtigen Moment das richtige Ergebnis zu machen - eine Niederlage in Runde 7 hätte uns auf Platz 14 "gespült". Aber: unsere Mädchen haben gezeigt, was sie draufhaben, haben gekämpft und (neben ein paar "Ausrutschern") eben auch gute Partien hingelegt. Nach ganz oben ist der Weg weit - die drei vor uns platzierten Mannschaften sind noch einmal eine Klasse besser, aber mal ehrlich: viertbeste Mannschaft in Deutschland klingt so schlecht nicht, oder ?! Dazu ganz herzlichen Glückwunsch an die fünf!!
Und ein großes Dankeschön an alle Betreuer, die vor Ort für ein tolles Wir-Gefühl gesorgt haben. Keine Mannschaft hatte so einen "Fanblock" zu bieten!

Einzelergebnisse

Wir hatten mit 5 Spielerinen, die punkten können, einen wichtigen Trumpf in der Hand: wir waren nicht ganz so leicht auszurechnen, da sich die Aufstellung ja immer änderte.
Sophie hatte einen sehr schweren Stand an Brett 1: Hammer-Gegnerinen machten ihr das Leben schwer, aber sie hat gekämpft und den anderen vier den Rücken frei gehalten. Sarah ist DIE DWZ-Gewinnerin des Turniers - gegen starke Gegnerschaft ist der Knoten geplatzt und sie hat ihre wahre Stärke gezeigt. Jasmin spielte wie immer solides Schach; mindestens Remis kann man einplanen - das war für die Mannschaft ganz wichtig. Bettina und Alina waren die ungeschlagenen TOP-Scorer; Bettina stand nie schlechter und zeigte ihre beste Turnierleistung - Alina sorgte auf dem Brett für mehr Aufregung, aber die ging ja meist zu ihren Gunsten aus...

1. Sophie Bork 2.5 Punkte/7 Partien, -55 DWZ
2. Sarah Hütte 3.0/5, +174
3. Jasmin Marx 3.0/6, +37
4. Bettina Schaller 4.0/5, +94
5. Alina Venjakob 4.0/5, +65

Endstand U14w Deutsche Meisterschaft (Details auf der Homepage der Deutschen Schachjugend)

1. Chemnitzer SC Aufbau (SAC) 13:1
2. SG Oesede-Georgsmarienhütte (NDS) 11:3
3. SV Stetten (BAY) 10:4
4. SV Welper (NRW) 8:6
5. Karlsruher SC (BAD) 8:6
6. USG Chemnitz (SAC) 8:6
(18 Mannschaften)

SV Welper bester Verein aus NRW: 8. SF Paderborn, 15. SG Porz